Geplante Evakuierung vom 27.09.2020

Verdacht auf den Fund einer Weltkriegsbombe

Erfahrungsbericht der Weidener Feuerwehr

Aufgrund von anstehenden Bauarbeiten wurden auf einem Gelände im nördlichen Bereich hinter dem Sportgelände der SpVgg SV-Weiden bei routinemäßigen Sondierungen Verdachtsstellen mit Bombenblindgängern aus dem 2. Weltkrieg festgestellt. Dabei wurde an mindestens einer Stelle mit großer Wahrscheinlichkeit ein Sprengkörper im Boden vermutet. Die eventuell notwendige Entschärfung war für den Sonntag, 27.09.2020, geplant.

Wegen der ungünstigen Lage der Verdachtsstelle in unmittelbarer Nähe zur Integrierten Leitstelle und dem BRK-Altenheim, sowie auch dem Klinikum Weiden in näherer Umgebung, wurde seitens der Stadtverwaltung bereits im Juli 2020 eine Koordinierungsgruppe unter Leitung von Oberbürgermeister Jens Meyer und Rechtsdezernentin Nicole Hammerl, mit Teilnehmern aller maßgeblichen Stellen und Behörden, einberufen.

In zahlreichen Sitzungen wurden die erforderlichen Maßnahmen, darunter auch die Evakuierung von ca. 1.600 Bewohnern aus dem Sperrbereich und des Altenheimes, sowie die Verlegung der Integrierten Leitstelle besprochen. Diese konnte im weiteren Verlauf in die Notleitstelle der Landeshauptstadt München "umziehen", wofür wir den Kollegen der Berufsfeuerwehr herzlich danken möchten! Für die betroffenen Gebäudeteile des Klinikum Weiden waren Verlegungen der entsprechenden Abteilungen innerhalb des Hauses vorgesehen.

Die Planung aller notwendigen Aufträge, Maßnahmen und Anordnungen wurde federführend von der Katastrophenschutzabteilung der Stadt Weiden erarbeitet.
Zur einsatzmäßigen Abwicklung der Aufgaben, wurde der Einsatz in 9 Abschnitte eingeteilt.

  1. Entschärfung / Sicherungsmaßnahmen
  2. Absperrung / Verkehrslenkung
  3. Sperrung Schienenverkehr
  4. Evakuierung Altenheim
  5. Notunterkunft Berufsschule
  6. Evakuierung Bevölkerung
  7. Bereitstellungsraum THW/BRK
  8. Notunterkunft Max-Reger-Halle
  9. Einsatzbereitschaft Feuerwehr

Die Örtliche Einsatzleitung wurde im großen Lehrsaal der Hauptfeuerwache mit den Stabsfunktionen und Fachberatern aller beteiligten Stellen vorbereitet. Die Führungsgruppe Katastrophenschutz der Stadt Weiden i.d.OPf. sollte vorsorglich im Schulungsraum im Neuen Rathaus ihre Arbeit aufnehmen.

 

Bereits zwei Wochen vorher wurden alle Betroffenen schriftlich informiert und auch die Medien berichteten umfangreich über die wahrscheinlich bevorstehende Evakuierung. Ebenso wurde ein Bürgertelefon für die zahlreichen Anliegen der Betroffenen eingerichtet.

Die Feuerwehr Weiden zeichnete für die Organisation der Örtlichen Einsatzleitung verantwortlich, zudem wurden zahlreiche vorbereitende Transportaufträge durchgeführt. Zur möglichen Nachkontrolle des Sperrbereichs, ob auch alle Personen diesen verlassen hätten, wurden zusammen mit dem Technischen Hilfswerk 30 Trupps eingeteilt. Hierzu waren auch die Ortsteilfeuerwehren Weidens, sowie Wehren aus Mantel, Pressath und Neustadt/WN vorgesehen.
In der Hauptfeuerwache wurde eine Wachbereitschaft mit 44 Kräften zur Besetzung aller wichtigen Fahrzeuge vorbereitet.
Für die Evakuierung des Altenheimes, Betrieb der Notunterkünfte und Einsatzbereitschaft für kurzfristige Transporte, standen BRK-Bereitschaften aus der ganzen Oberpfalz und Niederbayern mit 240 Kräften bereit.

Ebenso überörtliche Kräfte des Technischen Hilfswerkes mit insgesamt rund 100 Kräften. Für die umfangreichen Straßen- und Wegsperrungen, der Kontrolle und Sicherung des Evakuierungsbereiches waren auch 160 Polizeibeamte eingeteilt. Auch der Bauhof der Stadt Weiden war umfangreich in die organisatorischen Vorbereitungen der möglichen Evakuierung eingebunden und wäre ebenfalls mit 21 Mitarbeitern in Bereitschaft gestanden.

Groß war die allgemeine Erleichterung, als bei der Freilegung des vermeintlichen Bombenblindgängers am Donnerstag, 24.09.2020, "nur" ein Abwurfbehälter für Brandsätze zum Vorschein kam. Von diesem ging keine Gefahr mehr aus und damit konnte die erste Evakuierung in der Stadt Weiden abgesagt werden.

Trotzdem war die Vorbereitung für alle Beteiligten eine hervorragende Übung, um für ähnliche zukünftige Ereignisse noch besser gerüstet zu sein. Ein herzlicher Dank gilt allen Behörden und Hilfsorganisationen für ausgezeichnete und vertrauensvolle Zusammenarbeit und den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern für ihr Verständnis!

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