Weidener Sagen

Wie der Teufel die Schweden vertrieben hat

Wieder einmal lag der Schwede vor den Mauern der Stadt Weiden. Fest hatten die Bürger ihre Tore verrammelt. Aber ein anderer Feind kam in die Stadt, der Hunger. Den hält keine Mauer und kein verschlossenes Tor ab. Viele Menschen waren in die Stadt geflüchtet. Deshalb gingen die Vorräte bald zu Ende. Die Kinder weinten um ein Stück Brot. Aber die Mutter konnte ihnen keines geben. Die Not war groß. In der Michaelskirche beteten die Leute um Gottes Erbarmen.

Zu dieser Zeit wohnte in der Fleischgasse ein langer, zaundürrer Schneider. Der war lauter Knochen, und wir wunderten uns, dass er ausgerechnet in der Fleischgasse wohnte. Auf seinem Tisch stand kein Fleisch mehr. Vor ein paar Wochen hatte er seinen alten Ziegenbock geschlachtet. Aber bald stand wieder Not im Haus. Nur das Fell des Ziegenbocks hing noch an einer langen Stange zum Trockenen, gerade vor seinem Fenster.

Vor Hunger und Müdigkeit war das Schneiderlein eingeschlafen. Und als es aufwachte und gerade herzhaft gähnte, ja mitten im Gähnen, da sah es an der Wand – oh Schreck! – den Teufel mit seinen langen Hörnern und mit seinem ruppigen Fell. Aber bald merkte der Schneider, dass ihn die Sonne genarrt hatte. Sie hatte den Schatten des Felles an die Wand geworfen, und er sah wirklich aus wie der Leibhaftige selber.

Da fing der Schneider an zu lachen und wollte gar nicht mehr damit aufhören. Seine Frau kam herein und rief: "Du bist wohl nicht recht gescheit! Wir haben nichts mehr zu nagen und zu beißen, draußen vor den Mauern steht der Schwed’, und du kannst da lachen?"

"Frau", sagte jetzt der Schneider, "mir ist ein guter Gedanke gekommen wir machen mit dem Teufel einen Bund. Anders werden wir mit den Schweden und dem Hunger nicht fertig. Da aber wurde die Meisterin sehr böse: "Wie kannst du nur so gotteslästerlich daherreden!" Mehr konnte sie nicht sagen. Sie stieß einen Schrei aus; denn auch sie hatte jetzt den Teufelsschatten gesehen. "Siehst du, Frau", lachte der Schneider, "mit dem da mache ich meinen Bund. Hör gut zu! Aus dem Fell nähe ich mir einen Teufelsrock. Am Kopf oben sind die Hörner, und hinten hin kommt ein langer Schwanz. Und was ich dann tu, das wirst du bald sehen."

Der Schneider holte das Fell von der Stange herunter und fing nun an zu nähen. Lange brannte an diesem Abend die Kerze in seiner Stube. Wie erschraken aber am nächsten Tag die Leute in der Fleischgasse, als plötzlich aus dem Schneiderhaus der Teufel herauskam. Mitlangen Beinen rannte er zur Stadtmauer. Die Kinder schrieen und liefen in die Häuser, und die großen Leute verriegelten ihre Türen. Wer will schon etwas mit dem Teufel zu tun haben! Der Teufel kletterte auf die Stadtmauer, und dort sprang er wie toll herum. Und immer wieder hob er seine Fäuste und drohte hinüber zu den Schweden. Als die den Teufel auf der Mauer sahen, da schrieen sie: "Um Gottes und des Himmels Willen! Den Weidnern hilft der Teufel!" Und ihr General ließ zum Sammeln blasen und zog mit seinen Soldaten ab so schnell es ging. Denn mit dem Teufel zu kämpfen traute er sich nicht zu.

Zum Dank weil’s Schneiderlein so schlau,
da meißelt man in der Weidau
den Teufelskopf ans Untere Tor
dort schaut er heute noch hervor.

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