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Stadtökologischer Lehrpfad – Station Nr. 15.1
Biber in der Stadt

Mitte des 19. Jahrhunderts war der europäische Biber (Castor fiber) so gut wie ausgerottet. Etwa 100 Jahre später wurde "Meister Bockert", so der Name des Bibers im Volksmund, durch strengen gesetzlichen Schutz und mehrere Wiedereinbürgerungsmaßnahmen eine erfolgreiche Rückkehr in die alte Heimat ermöglicht. Da die Biber ihren Lebensraum wie wir Menschen sehr aktiv gestalten, sind gerade in dicht besiedeltem und bewirtschaftetem Gebiet Konflikte vorprogrammiert.

Seit etwa 1995 hat sich auch in Weiden i. d. OPf. eine feste Biberpopulation etabliert. Nahezu überall an der Waldnaab und ihren Nebenflüssen lassen sich die Spuren der fleißigen Nager finden. Mit enormer Ausdauer und Akribie passen die Tiere jeden neuen Lebensraum ihren Bedürfnissen an, oft genug zum Leidwesen ihrer menschlichen Nachbarn. So werden beispielsweise Obstbäume angenagt oder gefällt, Drainagen verstopft, Dämme angegraben und bequeme Wasserstraßen zu leckeren Feldfrüchten angelegt. Das kann bisweilen nicht nur ärgerlich, sondern auch gefährlich werden, etwa dort, wo landwirtschaftliche Flächen bis an das Gewässer bewirtschaftet, und Uferzonen mit schwerem Gerät befahren werden.

Gott schütze diesen Erdball, die Elefanten, die Wale, die gemeine Fledermaus... Gott schütze sie alle - vor uns!
Dieter Hildebrandt

Auf keinen Fall darf dann zur Selbsthilfe mittels Falle, Gift oder Spaten gegriffen werden. Schließlich handelt es sich bei Castor fiber um eine nach EU- und Bundesrecht streng geschützte Tierart, deren Verfolgung mit empfindlichen Strafen bedroht ist und eine Straftat darstellen kann. Ansprechpartner bei Interessenskollisionen zwischen Mensch und Biber sind daher immer die Naturschutzbehörden.

 

Nahrung

Bei "Bockerts" kommt nur Rohkost auf den Tisch. Heranwachsende Biber werden etwa acht Wochen von ihrer Mutter gesäugt und steigen dann, wie der Rest der Familie, und das sind neben den Eltern auch die Geschwister vom Vorjahr, auf rein vegetarische Kost um. Geschichten vom Fische fressenden Biber können also getrost in der Märchenkiste verstaut werden. Im Sommer gibt es vor allem Gräser, Kräuter und Wasserpflanzen, wobei auch mal nahe am Wasser liegende Felder in Mitleidenschaft gezogen werden können: Mais, Rüben oder Getreide ergänzen dann den Speiseplan.

Da die Biber keinen Winterschlaf halten, sind sie während der kalten Jahreszeit auf Rinde, Zweige und Knospen der flussbegleitenden Gehölze angewiesen. Da sie nicht klettern können, wird kurzerhand so manche alte und stolze Weide gefällt, um an die lebenswichtigen Triebe zu gelangen. Wenn dann der Stamm von uns "ordentlichen" Menschen sofort entfernt wird, bleibt den Tieren keine andere Möglichkeit, als einen weiteren Baum zu fällen. Wenn er nun schon einmal gefällt worden ist, sollte der Stamm also möglichst im Wasser oder zumindest in Ufernähe liegen bleiben, bis die Tiere alles verwertbare Futter und Baumaterial mitgenommen haben.

 

Konflikte

Der größte Teil des Konfliktpotenzials, das Mensch und Tier das Leben zunehmend schwer macht, liegt in den gemeinsamen Lebensraumansprüchen. Wer möchte es schon gerne hinnehmen, wenn nächtlich nagender Besuch zuerst die Rinde vom Apfelbaum schält und dann zum Abschied auch noch den Garten unter Wasser setzt? Andererseits machen die Biber nur das, was ihnen die Evolution in den etwa 15 Millionen Jahren, die sie schon in Mitteleuropa weilen, beigebracht hat. Sie sind typische Auenbewohner und nutzen den Lebensraum im und unmittelbar am Wasser. Dabei zeigt sich langsam immer deutlicher, daß die Biber "auf der richtigen Seite" stehen, und die Menschen etwas falsch machen. So hat die nach den zunehmenden verheerenden Hochwasserkatastrophen in Gang gesetzte Diskussion gezeigt, dass die Verbauung und Einengung der Gewässer uns zu großen Problemen führt. Niederschlagswasser wird immer schneller abgeleitet und kann von den verbauten Flussbetten nicht mehr aufgenommen werden. Wo früher regelmäßig Frühjahrshochwässer tagelang die Auwiesen überschwemmten, stehen heute durch Dämme gesicherte Supermärkte und Mehrfamilienhäuser.

Indem wir den Gewässern die Möglichkeit zur dynamischen Entwicklung nahmen, haben wir uns auch ihrer Fähigkeit zur Selbstregulierung beraubt. Die einzige Möglichkeit, diese Probleme langfristig in den Griff zu bekommen, ist die Schaffung von Rückhalteräumen. Dazu sollen Schutzstreifen entlang der Bäche und Flüsse eingerichtet werden, die nicht oder nur sehr extensiv bewirtschaftet werden. Das wäre dann gleichzeitig auch die Lösung für viele der sogenannten Biberprobleme, da sich die Aktivitäten der Nager meist nur auf einen 20 Meter schmalen Streifen entlang der Gewässer beschränken.

Martin Scheidler

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