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Stadtökologischer Lehrpfad - Station Nr. 15
Flutkanal der Waldnaab

Regulierungsmaßnahmen im 19. und 20 Jahrhundert

Nördlich und südlich des Stadtgebietes Weiden standen fast jährlich über Jahrhunderte etwa 1600 Tagwerk Wiesen und Felder unter Hochwasser.

Deshalb kam es am 30. Januar 1857 erstmals zu einem Zusammenschluss der betroffenen 154 Eigentümer. Sie gründeten eine Wiesengenossenschaft. Zweck der Genossenschaft war es...“die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, um durch Durchstich der Windungen der Naab eine Beschleunigung des Flussablaufes herbeizuführen und durch Grundablässe bei der Stadtmühle (heute Kurt-Schumacher-Allee), der Leihstadtmühle und der Pirkmühle einen raschen Abfluss der Hochwasser zu erreichen“. Wegen der Streitigkeiten mit den von der Maßnahme betroffenen Triebwerksbesitzer kam es jedoch zunächst nicht zu weiteren Planungen. Erst im Jahre 1906 wurde die Planung wiederum aufgenommen, fand aber keine Verwirklichung.

Im Jahre 1936 endlich, nach mehrmaligen Planungsversuchen und unterbrochen durch den Ersten Weltkrieg, fand endlich der erste Spatenstich zu dem Millionenprojekt Waldnaabregulierung statt. Ziel war nun laut einem Schreiben an das Bay. Staatsministerium des Innern die Nutzbarmachung der landwirtschaftlichen Grundstücke im Naabtal, die Erweiterung des Baugebietes der Stadt, sowie die Beseitigung der gesundheitsschädlichen Nebel und Ausdünstungen. Die Kosten wurden auf 2,5 Mio. Goldmark geschätzt.

 

Verteilung der Arbeit:

"Kunstbauten" von Bauunternehmen (Berechnete Dauer 18 Monate mit Einsatz von Maschinen) Entwässerungsgräben/ Dränagen, Wegenetz für Flurbereinigung. Auszuführen vom Reichsarbeitsdienst (2000 Volksgenossen)

Das Bauwerk in Zahlen:

700 000m³ Erdaushub,
10 000m³ Betonmauerwerke,
150 Tonnen Eisen.

Für die Schaffung einer Flutmulde zwischen Leihstadtmühle und Schirmitz:

1 Löffelbagger,
2 Eimerketten-Bagger,
4 Lokomotiven mit Kipploren.

1937 Abbruch der Steinernen Brücke an der Vohenstraußer Straße.
1938 konnte stattdessen eine neue Brücke dem Verkehr übergeben werden, zusammen mit vier weiteren Brückenbauwerken. Dadurch war es zum ersten Mal auch möglich, über eine neue Dammstraße von Moosbürg aus nach Schirmitz zu gelangen.

Simone Schaller, nach Annemarie Krauß "Feuer und Wasser"

 

Hochwasserfreilegung heute

Ein großes Hochwasserereignis im Jahr 1995, bei dem die Flut der Waldnaab beinahe die Altstadt erreicht hätte, zeigte in aller Deutlichkeit auf, dass die vorhandenen Hochwasserschutzanlagen für die Stadt nicht nur zu gering dimensioniert, sondern im Laufe der Jahre auch marode geworden waren und dringend der Erneuerung bedurften.
Die Planungen für einen neuen, umfassenden und zeitgemäßen Hochwasserschutz der Stadt Weiden und die Realisierung dieses großen Projektes wurden in der Folgezeit vom Wasserwirtschaftsamt übernommen. Heute, im Jahr 2004 sind die wesentlichsten Teile des Vorhabens umgesetzt, und ist die Hochwassersicherheit für die Stadt bereits entscheidend verbessert worden.

Für Kosten von bisher ca. 5 Mio €, die je zur Hälfte vom Freistaat Bayern und von der Stadt Weiden aufzubringen waren, wurden bereits mehrere Abschnitte realisiert.
In einem 1. Bauabschnitt wurde auf eine Länge von mehr als einem Kilometer der westliche Deich der Waldnaab neu errichtet. Er ist nunmehr ein verlässliches Bollwerk gegen die anstürmenden Fluten und hilft entscheidend mit, die Innenstadt vor Hochwasser zu schützen. Gleichzeitig ist der Deich inzwischen zu einer von Spaziergängern und Radfahrern gern genutzten Route entlang der Waldnaab inmitten grünender Natur geworden.

Die Verlegung und Renaturierung der Schweinenaab war eine Maßnahme, die wegen des Deichbaues notwendig geworden war. So wurde hier stadtnah und gleichsam nebenbei ein kleines, aber sehr wertvolles Naturrefugium geschaffen, das inzwischen zur Heimat verschiedenster Tiere und Pflanzen geworden ist.

Inmitten der Stadt stellt sich den Wassern der Waldnaab das Bollwerk "Mittleres Wehr" entgegen, das wegen Baufälligkeit erneuert werden musste. Das neue Bauwerk mit seinen drei hydraulisch angetriebenen Stahlklappen wird immer mehr zu einem beliebten Ziel der Weidener Bürger. Bietet es doch neben imposanter Technik viel Gelegenheit zum Rasten und Schauen. Ganz besonders die Wanderhilfe für Wasserorganismen, die gleichsam als kleiner Bach das Wehr umfließt, hat es Alt und Jung angetan, lässt es sich hier doch trefflich verweilen, spielen und träumen.

Um den Hochwasserschutz für die Stadt zu vollenden, war es neben ein paar kleinen Verbesserungen noch notwendig, ein letztes Stück Deich vom Max-Reger-Park bis zum Mittleren Wehr zu errichten. Dies wurde im Jahr 2006 durchgeführt. Im gleichen Jahr wurde auch das sogenannte Wasserforum an der Serenadenwiese fertiggestellt. Hier führen Stufen bis an das Wasser heran und laden zum Sitzen, Schauen und Sonnen ein.

Alle Maßnahmen sollen nach dem Verständnis des Wasserwirtschaftsamtes natürlich die Bürger vor Hochwasser verlässlich schützen, sie sollen aber auch von den Bürgern in Besitz genommen und zu vielerlei Aktivitäten genutzt werden. Dadurch wirken die erstellten Bauwerke nicht als Fremdkörper, sondern werden zu unverwechselbaren, wichtigen und von allen akzeptierten Bestandteilen dieser Stadt.

Wasserwirtschaftsamt Weiden: Richard Gollwitzer

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