Czech   English   Français   Italiano          Sitemap    weitere Homepages der Stadt Weiden
  Homepage der Stadt Weiden in der Oberpfalz    

Home
Umwelt Abfall Energie
 Stadtökologischer
 Lehrpfad
  Lageplan
  01 Neues Rathaus
  02 Stadtmauer
  03 Unterer Markt
  04 Altes Rathaus
  05 Altes Schulhaus
      / Michaelskirche
  06 Josefskirche
  07 Jugendstilhäuser
  08 Eine-Welt-Laden
  09 EAW - Siedlung
  10 Waldsassener
      Kasten
  11 Schlörplatz
  12 Max-Reger-Park
  13 Waldnaabbrücke
  13.1 Stadtbad
  14 Kirchsteig
  14.1 Dachbegrünung
  14.2 Clausnitzer
        Schule
  15 Flutkanal
  15.1 Biber

Stadtökologischer Lehrpfad - Station Nr. 13.1
Stadtbad an der Waldnaab

Historisches
Heutzutage haben wir Weidener es schön, es gibt Bademöglichkeiten im Winter wie auch im Sommer. Früher war das anders: "Wer im kalten Wasser zu baden begehrt, der steige in den Fluss..." Im Gegensatz zu dieser Aussage wurde das Baden im warmen Wasser wohl schon immer sehr geschätzt. Aufgrund des hohen Holzverbrauches durfte das Volk jedoch keine eigenen Bäder einrichten. Deshalb wurden in den Städten öffentliche "Badstuben" eingerichtet. Diese dienten nicht nur der Reinlichkeit, sondern vor allem auch der Gesundheitspflege. In Weiden gab es seit dem 15. Jahrhundert die untere und die obere Badestube, für die das Wasser aus dem Stadtbach entnommen wurde. Aber auch das Bad unter freiem Himmel fand seine Liebhaber...

Die Dinge, die wir sehen, sind dieselben Dinge, die in uns sind. Es gibt keine Wirklichkeit als die, die wir in uns haben.
Hermann Hesse

Im Jahre 1855 wird das Baden in der Waldnaab bei der Fronfeste (Amtsgerichtsgebäude, 1970 im Umbau für das Finanzamt) an der Brücke verboten. Besonders die Schüler halten sich aber nicht an dieses Verbot. Man erklärt deshalb den Hahnenbach von der Orthegelmühle bis zur Mündung der Naab zum Badeplatz für die Jugend. Hier gibt es aber immer wieder Beanstandungen, weil in diesem Gebiet die Weidener Bürger ihren Flachs zu rösten pflegen. 1858 wird in einer Sitzung des Magistrats festgestellt, dass die Weidener Bürger seit "unvordenklichen Zeiten" das Weberbad benützen. Hierbei handelt es sich um eine Naabschleife in Höhe der Stadtmühle. Aus zahlreichen Beschwerden der angrenzenden Wiesenbesitzer erfährt man, dass 1860 noch keine eigene Badewiese vorhanden war. Woher der Name "Weberbad" kommt, lässt sich nicht erklären. Um 1921 werden hier beim sogenannten Mühlweiher Kabinen für ein Damenbad errichtet, das aber nach 1933 aufgelassen wird. Durch die Naabregulierung wird das ganze Gelände verändert und trockengelegt. 1893 kauft die Stadt die angrenzende Pfarrwiese mit 0,664 ha um 200.- Mark und übernimmt den Badebetrieb aus den Händen des "Badekomitees", das einen Überschuss von 600.- Mark vorweisen kann. Die Kabinenanlage wird nun erweitert, wobei für einen Zimmermeister in der Stunde 30 Pfennige zu bezahlen sind...

Es wird ein ständiger Badewärter angestellt. Bei Wassertemperaturen von 16 bis 19°C wird eine rote Fahne gehisst, höhere Temperaturen werden durch eine weißblaue Fahne angezeigt. Die Badezeiten für Damen, Herren und Schüler sind streng getrennt festgesetzt. Später wird ein Bretterzaun über den Fluss errichtet, wodurch eine Trennung von Damen- und Herrenbad ermöglicht wird. Dennoch weiß der Herr Pfarrer Abscheuliches zu vermelden und droht sogar damit, die Übeltäter in der Öffentlichkeit namentlich zu nennen...

Einige Jahre später wird ein Sonnenbad angegliedert. 1932 bezeichnet man die Anlage als Städtisches Herrenbad in der Naab, das vom 15. Mai bis 1. September geöffnet ist. Nach Auflassung des sogenannten Damenbades wird die Städtische Badeanstalt 1933 und 1934 erweitert und 1935 als Städtisches Familienfreibad bezeichnet. 1941 errichtet man das Kinderbad und 1947 erfolgt eine weitere Umgestaltung.

nach Annemarie Krauß,
Stadtarchivarin, Weiden, u. anderen

Viele Jahre erfreut sich so das Gelände in den Naabwiesen, das schließlich kurz und knapp als "Stadtbad" bezeichnet wird, großer Akzeptanz durch die Stadtbevölkerung. In den letzten Jahrzehnten wird dem Weidener durch die steigende Verschmutzung der Naab v. a. durch die in verstärktem Maße betriebene Landwirtschaft das Baden im Fluss zunehmend verleidet. Schilder werden aufgestellt: "Baden auf eigene Gefahr" und bleiben auch nach Verbesserung der Wasserqualität an ihrem Platz. Dies senkt die Zahl der in der Naab badenden Personen erheblich. Bei einem Spaziergang findet man eine Vielzahl lauschiger Plätzchen, an denen die Städter allein, zu zweit oder in Grüppchen die Sonne genießen. Das schon seit Jahren vorhandene Kinderplanschbecken, welches zuletzt mühsam per Hand mehrmals am Tag von einem städtischen Angestellten auf seine Wasserqualität überprüft werden musste, wird im Frühjahr 2004 aufwändig erneuert. Zwei Kinderbecken aus Edelstahl, durch eine Rutsche miteinander verbunden, erfreuen nun an heißen Tagen die Herzen von Jung und Alt. Des Weiteren finden sich Grill- und Bolzplätze, ein Kinderspielplatz sowie eine kleine Gaststätte, die jeden Sommer Ort des Musik- und Kleinkunstfestivals Live im Stadtbad ist. Dem Schiffsmodellbauclub Weiden dient das Stadtbad seit 1999 als Vereinsgewässer. Hier finden regelmäßig Wettbewerbe und Schaufahrten statt, was vor allem bei den jüngsten Besuchern des Stadtbads großen Anklang findet!

Ökologische Betrachtungen

Im Stadtbad mäandriert die Naab, das heißt, sie fließt hier langsam im schwungvollen Bogen. Der Fluss ist eingebettet in eine Weichholzaue, in der jedoch die natürliche Pflanzenwelt stark vom Menschen verändert wurde. Alle Flüsse in Mitteleuropa wurden ja zunächst einmal von Auwäldern begleitet, bevor der Mensch anfing, die Talauen zu nutzen und umzugestalten.

Die Natur achtet auf ihr Aussehen. Hässlich wird sie erst durch das Zutun des Menschen.
Akira Kurosawa

Nach wie vor findet sich aber eine Vielzahl von Birken und Schwarzerlen, die den feuchten Boden vertragen. Sie stehen mit den Wurzeln im Wasser, die Bäume müssen daher mit längerer Sauerstoffknappheit im Wurzelbereich zurechtkommen. Die Eichen, die natürlicherweise in den trockeneren Außenzonen anzutreffen wären, wurden größtenteils gefällt. Zu finden sind noch Esche, Ahorn und Hainbuche im Bereich der Hartholzaue. Untypisch sind zum Beispiel eine Reihe von Baumriesen, die Hybridpappeln. Diese wurden wegen ihrer Schnellwüchsigkeit gepflanzt, stellen jedoch inzwischen eher eine Gefahr denn eine ökologische Besonderheit dar. Beim Umstürzen können diese großen Bäume erheblichen Schaden anrichten und müssen daher mit einigem Aufwand gefällt werden. Die in großer Zahl vorhandenen Kopfweiden werden regelmäßig geschnitten und dienen aufgrund ihres morschen Innenlebens für eine Vielzahl von Vögeln, wie z. B. Meisen, Zaunkönig, Fitis, Kleiber, Grasmücken und Rotkehlchen, als Unterschlupf und Schutz vor Feinden, die darin lebenden Insekten als Nahrung. Die Wacholderdrossel lässt sich im Frühjahr auf allen freien Grünflächen bei der Nahrungssuche beobachten. So finden sich im Bereich des Stadtbades bis zu dreißig Vogelarten! Eine Reihe von Nistkästen wurde vom Landesbund für Vogelschutz sowie von Arbeitsgruppen des Kepler-Gymnasiums im Bereich des Stadtbades aufgestellt und betreut. Wandert man von Brücke zu Brücke, so fallen die ebenfalls vom Menschen gepflanzten Weißdornhecken auf, die wohl zur Abgrenzung des Badgebiets dienten und ebenfalls einen Lebensraum für Vogel- und Insektenarten darstellen. Auch der Biber zeigt im Stadtbad seine Spuren. Er schätzt die Rinde von Weiden und Pappeln ganz besonders. Die als Fraßschutz in der Weide enthaltene Salicylsäure, die vom Menschen als fiebersenkender Stoff in Weidenrindentees verwendet wird, macht ihm offenbar nichts aus. Die Erlenrinde rührt der Biber dagegen im Allgemeinen nicht an. Werden Erlen vom Biber gefällt, dann dienen sie meist nicht als Nahrungsquelle sondern zum Bau von Burgen oder Dämmen.

In den Ruhigwasserzonen des Feuchtbiotops findet sich die Kinderstube vieler Fisch- und Amphibienarten. Diese brauchen zum Laichen, also zu ihrer Fortpflanzung, die nahrungsreichen Buchten.

Im Röhricht wie auch auf den umgebenden Wiesen lassen sich Tafel- und Stockenten füttern. Der Name Röhricht leitet sich von "Rohr", also vom Schilf ab. Dieser Begriff kennzeichnet hochwüchsige, grasartige Sumpfpflanzen, die den unter Umständen wechselfeuchten Flachwasserbereich besiedeln, aber keine längere vollständige Überflutung vertragen. Hier findet man die typischen Röhrichtarten wie Igel- und Rohrkolben, Kalmus, Teichbinse und eben Schilf. Im Sommer blühen in den feuchten Gräben auch das stark duftende Mädesüß, Wasserschwertlilie, Wiesenknopf und Blutweiderich. Der Name "Mädesüß" leitet sich übrigens nicht vom Mädchen sondern vom Wein ("Met") ab... schade eigentlich, dies wäre ein nur zu passender Abschluss für unsere Beobachtungen im Weidener Stadtbad gewesen...

Kepler Gymnasium Weiden:
Linda Schmauß, Hartmut Rauscher

zurück Seitenanfang Rundgang

 

PlanausschnittStadtbadStadtbadStadtbadStadtbadStadtbadStadtbadStadtbadStadtbadStadtbadStadtbadStadtbadStadtbadStadtbadStadtbadStadtbadStadtbadStadtbadStadtbadStadtbadStadtbadStadtbad
Stadtwappen - Beschreibung
Suche | E-Mail-Zugang | Impressum | Datenschutz | Links
© Stadt Weiden in der Oberpfalz. Alle Rechte vorbehalten.