Stadtökologischer Lehrpfad - Station Nr. 10
Waldsassener Kasten - "Technik-Garten"
(Lederer-Straße 5)
10.1 Waldsassener Kasten
Eines der wenigen barocken Gebäude in Weiden, dafür aber ein
umso beeindruckenderer Bau, ist der sogenannte Waldsassener Kasten, der
1739 von Frater Philipp Muttone (1690-1775) als Getreidekasten für
das Kloster Waldsassen, das rund um Weiden umfangreiche Besitzungen hatte,
erbaut wurde. Von 1803 bis 1857 war das Gebäude Sitz des Forstamtes,
von 1857 bis 1966 Gerichtsgebäude.
Heute befinden sich im Waldsassener Kasten zwei kulturelle Einrichtungen
der Stadt Weiden: seit 1990 das Internationale Keramikmuseum, ein staatliches
Zweigmuseum, und seit 1994 die Regionalbibliothek.
Einen Rest der alten Vorstadtbefestigung aus dem 16. Jahrhundert stellt
der benachbarte Flurerturm dar.
10.2 Technik-Garten (Lederer-Straße 5)
Von 1654 bis 1797 war das Anwesen im Besitz von evangelischen Apothekern,
zunächst Christoph Bötticher, der gleichzeitig auch Bürgermeister
war.
Aus dem Erbe seiner Witwe Catharina Christina wird es an den Schwiegersohn
Abraham Geritz Adrian verkauft. Nach dessen Tod im Jahr 1700 heiratete
seine Witwe 1702 den Apotheker Heinrich August Vogel, der Garten und Haus
mit einer festen Mauer umgab (1716). Vogel starb 1730, seine Witwe verkaufte
ihren Gesamtbesitz an den Apotheker Johann Heinrich Tonnenbinder, der
aus Berlin stammte. Er starb schon 1743, seine Witwe heiratete 1744 den
Apotheker Matthäus Möller aus Bopfingen.
1752 starb Möller, seine zweite Frau heiratete 1754 den Apotheker
Johann Nikolaus Miedel. Er erbaute 1756 an Stelle des alten Hauses das
heute noch existierende Haus Ledererstraße 5. 1772 verkaufte er
Haus, Gartenhaus und Garten an seinen Vetter, den Arzt und Apotheker Dr.
Johann Simon Miedel, der bis 1797 tätig war und dann die Apotheke
an seinen Provisor verkaufte.
Das Haus in der Ledererstraße erbte 1827 der Enkelsohn Miedels
Friedrich Simon Wilhelm Anns, der es 1832 an den Gärtner Johann Nikolaus
Püschel verkaufte, der schon bei Miedel als Gärtner gearbeitet
hatte. Besitznachfolger wurde sein Sohn Johann Heinrich, der Haus und
Garten 1891 an den Kunstgärtner Johann Technik verkaufte.
Die Apotheker zogen im Garten zum Teil ihre Arzneipflanzen und Tees selbst,
pflanzten Bäume, verschönerten die gärtnerischen Anlagen
und legten sich später sogar Glashäuser zu. Unter den Miedels
wurde der Garten besonders gepflegt und als Orangerie bezeichnet.
Petra Vorsatz
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