Stadtökologischer Lehrpfad – Station Nr. 04
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| LBV: Susanne Krapf |
| Weitere Auskunft erteilt: Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. Eisvogelweg 1 91161 Hilpoltstein |
Fassadenbegrünung
Wilder Wein (Parthenocissus tricuspidata) rankt sich an drei Seiten des
Alten Rathauses bis über den ersten Stock hinauf. Mit kleinen „Saugfüßchen“,
den sogenannten Haftscheiben, die eine Art biologischen Klebstoff absondern,
klammern sich die Triebe an winzige Mulden und Fugen im Putz und bedecken
so Jahr um Jahr ein weiteres Stück der Fassade. In regelmäßigen
Abständen werden die Klimmer daher durch die Stadtgärtnerei
gestutzt, um ihr Werk anschließend von Neuem zu beginnen.
Das dichte Laub bietet im Sommer den unterschiedlichsten Tieren Schutz und Heimstatt: Amsel und Hausrotschwanz verstecken hier ihre Nester, eine Vielzahl von Insekten und Spinnen finden ihr Auskommen, die wiederum Meisen oder den im Gebälk wohnenden Fledermäusen als Nahrung dienen.
Insbesondere in den stark verdichteten Innenstädten kommt Fassaden- oder auch Dachbewuchs ein immer größeres Maß an Bedeutung zu. Sie bieten eine Möglichkeit der Durchgrünung selbst auf engstem Raum, da Flächen genutzt werden, die ohnehin nicht bebaut werden können. Dabei beleben und strukturieren die Kletterpflanzen leblose Fassaden und sorgen für ein ausgeglichenes Mikroklima: Sie schützen die Wände vor zu intensiver Sonneneinstrahlung (Kühlung), vor Vernässung durch direkten Schlagregen oder vor Frosteinwirkung im Winter (Isolation). Das grüne Laub „schluckt“ Kohlendioxid, liefert durch Photosynthese Sauerstoff und filtert Staub aus der Stadtluft.
Die Befürchtung, die Kletterpflanzen könnten das Mauerwerk schädigen, ist in den meisten Fällen unbegründet. Im Gegenteil, der grüne Pelz schützt vor extremen Witterungseinflüssen, und er erneuert sich bei minimaler Pflege auch regelmäßig. Nur an rissigen alten Hauswänden, Fachwerkhäusern o. ä. sollte besser auf Selbstkletterer, wie Wein oder Efeu, verzichtet werden. Die Haftwurzeln können in die Risse eindringen und Teile aus der Fassade lösen. Bei brüchigem Putz muß jedoch nicht auf die Begrünung verzichtet werden: Mittels Kletterhilfen kann anderen Pflanzen wie Kletterrosen, Blauregen oder Clematis der Weg bereitet werden. Als Rankhilfen eignen sich Schnüre, Drähte und Spaliere aus Holz oder Metall.
Tipps zur Auswahl mehrjähriger Kletterpflanzen mit unterschiedlichen Standortansprüchen:
| Name | Standort | Bemerkung |
| Mit Kletterhilfe: | ||
| Akebie (Akebia quinta) | Sonne - Halbschatten | Nur in geschützten Lagen, Winterschutz notwendig. |
| Blauregen (Wisteria sinensis) | Sonne - Halbschatten | Giftig, Sämlingspflanzen blühen erst nach mehreren Jahren, deshalb vegetativ vermehrte Pflanzen nehmen. |
| Gemeine Waldrebe (Clematis vitalba) | Sonne - Schatten | Braucht beschatteten Fuß: Kleingehölz vorpflanzen. |
| Hopfen (Humulus lupulus) | Sonne - Halbschatten | Sehr wüchsig, zieht im Winter i. d. R. ein. |
| Kiwi (Actinidia arguta) | Sonne – Halbschatten | Winterharte Kiwi ("Weiki") |
| Kletterhortensie (Hydrangea anomala) | Sonne - Schatten | Bei rauem Mauerwerk kann auf Kletterhilfe verzichtet werden. |
| Knöterich (Polygonum aubertii) | Sonne - Schatten | Sehr starkwüchsig! In der Jugend frostempfindlich. |
| Pfeifenwinde (Aristolochia macroph) | Halbschatten - Schatten | Giftig. |
| Trompetenblume (Campsis radicans) | Sonne | Nur in geschützten Lagen, Winterschutz notwendig. |
| Geißblatt (Lonicera caprifolium) | Halbschatten | Giftig. |
| Ohne Kletterhilfe: | ||
| Efeu (Hedera helix) | Halbschatten - Schatten | Giftig, immergrün. |
| Wilder Wein (Parthenocissus spec.) | Sonne - Halbschatten | Raschwüchsig. |
Weitere Tipps
| - | Mischbegrünungen von Fassaden, d. h. 2 - 5 verschiedene Kletterpflanzen kombinieren: ökologische und ästhetische Aufwertung (auf gegenseitige Verträglichkeit achten!). |
| - | Bei Dachüberstand darauf achten, dass die Kletterpflanze in ausreichendem Abstand vom Mauerwerk mit angemessen großen Wurzelraum gepflanzt wird, damit sie genug Regenwasser erhält. |
| - | Spezielle Schutzgitter schützen die Kletterpflanzen an Gehwegen und Straßen vor Betreten oder Befahren. |
| - | Neben Kletterpflanzen lassen sich ebenso Spalierbäume vor Fassaden pflanzen. |
| LBV: Susanne Krapf, Simone Schaller |
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