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Stadtökologischer Lehrpfad – Station Nr. 04
Altes Rathaus – Weißstörche und Fassadenbegrünung

Das Alte Rathaus inmitten der Weidener Altstadt ist bereits seit mehreren Jahrhunderten Standort eines Storchenhorstes. Relativ unbeeindruckt vom lebhaften Treiben auf dem Marktplatz ziehen die großen Vögel Jahr für Jahr auf dem Giebel ihre Brut auf. Ebenso zum festen Inventar der Altstadt gehört der wilde Wein am Alten Rathaus. Sein dichtes Sommerlaub verleiht dem alten Bau ein besonderes Flair und bietet vielen Lebewesen Lebensraum.

Weißstorch
Sehr beliebt bei den Weidner Bürgern sind die Weißstörche, die Jahr für Jahr ihre Brut über dem Giebel des Alten Rathauses aufziehen. Bereits im 16. Jahrhundert (1576) werden die Rathausstörche in Weiden erwähnt. Nachdem zuletzt zwischen den Jahren 1935 und 1969 und um 1980 der Horst unbesetzt blieb, kommen Adebars nun wieder regelmäßig im Frühjahr in die Max-Reger-Stadt und bleiben bis Ende August, wenn ihre Jungen flügge geworden sind. Denn Weißstörche sind regelrechte Fernwanderer, die ihre Winterquartiere in Spanien, West-, Ost- oder sogar Südafrika beziehen.

Die gefiederten Sympathieträger gelten aufgrund ihres jahrelangen, besorgniserregenden Bestandsrückgangs und der daraufhin gestarteten erfolgreichen Hilfsmaßnahmen als Aushängeschild für den Naturschutz. Im Jahre 1984 wurde der Weißstorch zum Vogel des Jahres gewählt. Gleichzeitig wurde das bayrische Artenhilfsprogramm "zum Schutz und zur Bestandsförderung des Weißstorches in Bayern" ins Leben gerufen. Organisation und Umsetzung werden seitdem erfolgreich vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. im Auftrag und mit Unterstützung des Bayrischen Umweltministeriums übernommen. Es wurden Betreuer für jeden einzelnen Storchenhorst gefunden und bestellt, Einzelaktionen koordiniert und eine einheitliche Datenerfassung vereinbart. Förder- und Spendengelder sichern seitdem die Zukunft des Weißstorches. Das Geld wird hauptsächlich zum Ankauf und zur Optimierung von Naturflächen verwendet, beispielsweise der Anlage von Tümpeln und Grabenaufweitungen oder der Wiedervernässung und Freihaltung von Auenbereichen.

Auch in Weiden wurden als Ausgleich für den Verlust der horstnahen Futterflächen südlich der Altstadt naturnahe Nahrungsbiotope im Landschaftsschutzgebiet Waldnaabniederung angelegt. Diese Feuchtflächen werden regelmäßig gemäht und gepflegt und sowohl von den Weidener als auch von den Neustädter Störchen besucht. Auf Anregung von LBV und Naturschutzbehörde wurden die Strommasten in der Waldnaabaue durch Aufsitzstangen und die Leitungen durch Wimpel gesichert. Zusätzlich wird das Nest auf dem Rathaus, wenn nötig, ausgebessert und Nistmaterial bereit gestellt. Diese Maßnahmen können jedoch immer nur begleitend zu grundsätzlichen Entscheidungen von Planung und Entwicklung das langfristige Überleben der Weißstörche sichern. Und hierzu gehören ebenso die Wiederherstellung und die schonende landwirtschaftliche Nutzung extensiver Auenbereiche, als auch die Vermeidung weiterer Straßen- oder Siedlungsbauprojekte in den Storchenlebensräumen.

LBV: Susanne Krapf
Weitere Auskunft erteilt:
Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
Eisvogelweg 1
91161 Hilpoltstein

 

Fassadenbegrünung
Wilder Wein (Parthenocissus tricuspidata) rankt sich an drei Seiten des Alten Rathauses bis über den ersten Stock hinauf. Mit kleinen „Saugfüßchen“, den sogenannten Haftscheiben, die eine Art biologischen Klebstoff absondern, klammern sich die Triebe an winzige Mulden und Fugen im Putz und bedecken so Jahr um Jahr ein weiteres Stück der Fassade. In regelmäßigen Abständen werden die Klimmer daher durch die Stadtgärtnerei gestutzt, um ihr Werk anschließend von Neuem zu beginnen.

Das dichte Laub bietet im Sommer den unterschiedlichsten Tieren Schutz und Heimstatt: Amsel und Hausrotschwanz verstecken hier ihre Nester, eine Vielzahl von Insekten und Spinnen finden ihr Auskommen, die wiederum Meisen oder den im Gebälk wohnenden Fledermäusen als Nahrung dienen.

Insbesondere in den stark verdichteten Innenstädten kommt Fassaden- oder auch Dachbewuchs ein immer größeres Maß an Bedeutung zu. Sie bieten eine Möglichkeit der Durchgrünung selbst auf engstem Raum, da Flächen genutzt werden, die ohnehin nicht bebaut werden können. Dabei beleben und strukturieren die Kletterpflanzen leblose Fassaden und sorgen für ein ausgeglichenes Mikroklima: Sie schützen die Wände vor zu intensiver Sonneneinstrahlung (Kühlung), vor Vernässung durch direkten Schlagregen oder vor Frosteinwirkung im Winter (Isolation). Das grüne Laub „schluckt“ Kohlendioxid, liefert durch Photosynthese Sauerstoff und filtert Staub aus der Stadtluft.

Die Befürchtung, die Kletterpflanzen könnten das Mauerwerk schädigen, ist in den meisten Fällen unbegründet. Im Gegenteil, der grüne Pelz schützt vor extremen Witterungseinflüssen, und er erneuert sich bei minimaler Pflege auch regelmäßig. Nur an rissigen alten Hauswänden, Fachwerkhäusern o. ä. sollte besser auf Selbstkletterer, wie Wein oder Efeu, verzichtet werden. Die Haftwurzeln können in die Risse eindringen und Teile aus der Fassade lösen. Bei brüchigem Putz muß jedoch nicht auf die Begrünung verzichtet werden: Mittels Kletterhilfen kann anderen Pflanzen wie Kletterrosen, Blauregen oder Clematis der Weg bereitet werden. Als Rankhilfen eignen sich Schnüre, Drähte und Spaliere aus Holz oder Metall.

Tipps zur Auswahl mehrjähriger Kletterpflanzen mit unterschiedlichen Standortansprüchen:

Name Standort Bemerkung
Mit Kletterhilfe:
Akebie (Akebia quinta) Sonne - Halbschatten Nur in geschützten Lagen, Winterschutz notwendig.
Blauregen (Wisteria sinensis) Sonne - Halbschatten Giftig, Sämlingspflanzen blühen erst nach mehreren Jahren, deshalb vegetativ vermehrte Pflanzen nehmen.
Gemeine Waldrebe (Clematis vitalba) Sonne - Schatten Braucht beschatteten Fuß: Kleingehölz vorpflanzen.
Hopfen (Humulus lupulus) Sonne - Halbschatten Sehr wüchsig, zieht im Winter i. d. R. ein.
Kiwi (Actinidia arguta) Sonne – Halbschatten Winterharte Kiwi ("Weiki")
Kletterhortensie (Hydrangea anomala) Sonne - Schatten Bei rauem Mauerwerk kann auf Kletterhilfe verzichtet werden.
Knöterich (Polygonum aubertii) Sonne - Schatten Sehr starkwüchsig! In der Jugend frostempfindlich.
Pfeifenwinde (Aristolochia macroph) Halbschatten - Schatten Giftig.
Trompetenblume (Campsis radicans) Sonne Nur in geschützten Lagen, Winterschutz notwendig.
Geißblatt (Lonicera caprifolium) Halbschatten Giftig.
Ohne Kletterhilfe:
Efeu (Hedera helix) Halbschatten - Schatten Giftig, immergrün.
Wilder Wein (Parthenocissus spec.) Sonne - Halbschatten Raschwüchsig.

Weitere Tipps

- Mischbegrünungen von Fassaden, d. h. 2 - 5 verschiedene Kletterpflanzen kombinieren: ökologische und ästhetische Aufwertung (auf gegenseitige Verträglichkeit achten!).
- Bei Dachüberstand darauf achten, dass die Kletterpflanze in ausreichendem Abstand vom Mauerwerk mit angemessen großen Wurzelraum gepflanzt wird, damit sie genug Regenwasser erhält.
- Spezielle Schutzgitter schützen die Kletterpflanzen an Gehwegen und Straßen vor Betreten oder Befahren.
- Neben Kletterpflanzen lassen sich ebenso Spalierbäume vor Fassaden pflanzen.
  LBV: Susanne Krapf, Simone Schaller

 

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